Arbeitsbereich Ethik und Kultur
Leitung:
Prof. Dr. Regina Ammicht Quinn
Kulturethik
Kulturethik im Kontext einer „Ethik in den Wissenschaften“ bezieht sich auf diejenigen Wissenschaften, die sich mit Fragen von ‚Kultur’ befassen: mit den Fragen kultureller Selbstrepräsentation und Selbstreproduktion (Medien, Kunst, Religionen, Geschlechterverhältnisse, Minoritätenkulturen etc.) und mit den Fragen der Kulturbegegnung und der Kulturkonflikte.
„Kultur“ ist immer verbunden mit einer Kultur-Moral: Einer bestimmten Kultur werden bestimmte moralische Prinzipien zu- oder abgesprochen, und von den Menschen, die einer bestimmten Kultur zugerechnet werden, werden bestimmte Handlungsweisen eingefordert. Im Gewand deskriptiv erscheinender Stereotypen – Fleiß und Pünktlichkeit oder Emotionalität und Spontaneität – wird auf der normativen Ebene ein kulturmoralisches Lernprogramm geschrieben. Dem Kulturbegriff ist damit eine Mentalität von Kolonialisierung inhärent: Alle Begriffe, so Derrida, die wir zur Beschreibung eigener oder fremder Kulturen verwenden, stellen letztlich dominante Werte (zivilisiert; gläubig) inferioren Werten gegenüber (unzivilisiert; ungläubig) und sind damit von Machtstrukturen und Gewalt infiziert.
In diesem Sinn gibt es keine Ethik, die nicht im allgemeinsten Sinn Kulturethik wäre, denn jede Ethik befindet sich im Bereich der Kultur, hält ihn aufrecht, kritisiert ihn oder verändert ihn. Eine Kulturethik im spezifischen Sinn reflektiert und analysiert diesen Standort innerhalb einer bestimmten Kultur. Erst von hier aus wird es möglich, in kulturelle Dialoge einzutreten, kulturelle Konflikte zu bearbeiten, ethische Urteile über „Kultur“ zu fällen und einen ethischen Beitrag zu einer postkolonialen Hermeneutik zu leisten.
Zum Arbeitsbereich Ethik und Kultur gehören der Forschungsschwerpunkt Sicherheitsethik und die Nachwuchsforschungsgruppe Medienethik.
Der Forschungsschwerpunkt Sicherheitsethik forscht in unterschiedlichen Projekten zu grundlegenden Fragen von Ethik und Sicherheit, ethischen Perspektiven auf den Einsatz neuer Sicherheitstechnologien und forschungsethischen Zugängen zur Sicherheitsforschung. Weitere Informationen
Die Nachwuchsforschungsgruppe „Medienethik in interdisziplinärer Perspektive – Werte und sozialer Zusammenhalt in neuen öffentlichen Räumen“ untersucht die Auswirkungen neuer Formen der öffentlichen Kommunikation auf Werte und Normen. Ziel ist eine interdisziplinär fundierte Ausarbeitung zur Bedeutung und Begründung von Konzepten von Solidarität und sozialem Zusammenhalt im medienethischen Kontext. Weitere Informationen
Kontakt
Prof. Dr. Regina Ammicht Quinn
Universität Tübingen
Internationales Zentrum für
Ethik in den Wissenschaften (IZEW)
Wilhelmstraße 19
72074 Tübingen
regina.ammicht-quinn[at]uni-tuebingen.de
Tel: +49 / 7071 / 29-77988 oder -77983
Fax: +49 / 7071 / 29-5255


