Geschichte des IZEW

1985 - Gründung des Gesprächskreises "Ethik in den Naturwissenschaften" (seit 1990 "Ethik in den Wissenschaften")

Mit dem Gesprächskreis "Ethik in den Naturwissenschaften" wurde erstmals an der Universität Tübingen ein Forum für das interdisziplinäre Gespräch über ethische Fragen zwischen Forschenden geschaffen, die zum Teil selbst an neuen Entwicklungen beteiligt sind

In der Aufbauphase des Zentrums war es besonders wichtig, in einem Kreis von interessierten Hochschullehrer(inne)n Information, Kommunikation und Sensibilisierung für wissenschaftsethische Fragen zu bewirken und in der Vorbereitung von Tagungen und Forschungsprojekten auf breitgefächerte Kompetenzen in einem interdisziplinären Kreis von Fachwissenschaftler(inne)n zurückgreifen zu können.

1986 - Aufbau der Forschungsstelle "Ethik in den Naturwissenschaften"

1986 wurde die Forschungsstelle "Ethik in den Naturwissenschaften" eingerichtet. Ihre erste große Veranstaltung war das Baden-Württemberg-Symposium "Ethische und rechtliche Fragen der Gentechnologie und Reproduktionsmedizin" im Jahr 1986. In den folgenden Jahren wurden unter der Leitung von Prof. Dr. Dietmar Mieth das interdisziplinäre Gespräch über Verantwortungsaspekte der Wissenschaften an der Universität durch Tagungen, Vortragsreihen und Publikationen initiiert sowie erste interdisziplinäre Forschungs- und Lehrtätigkeiten zur Ethik in den Wissenschaften realisiert, u.a. zu ethischen Aspekten der Gentechnologie in der Landwirtschaft und zur Erzeugung und Haltung transgener Nutztiere. Dieses bundesweit einmalige Modell ermöglichte es Naturwissenschaftler(inne)n erstmals, sich in ihrer Disziplin mit einer Arbeit zu ethischen Fragen zu qualifizieren.

1990 - Gründung des Internationalen Zentrums für Ethik in den Wissenschaften an der Universität Tübingen (IZEW), Sprecher: Dietmar Mieth

Die Gründung des IZEW 1990 (Sprecher: Prof. Dr. Dietmar Mieth, stellv. Sprecher: Prof. Dr. Reiner Wimmer) folgte einer Empfehlung des baden-württembergischen Landtages, der 1987 den Ausbau der Forschungsstelle zu einem "Zentrum für Ethik in den Naturwissenschaften" beschlossen hatte. Zu diesem Zweck sollte der Aufbau einer umfassenden Dokumentation, Datenbank und Spezialbibliothek sowie zwei zeitlich befristete Ethik-Professuren, die Professur für Ethik in den Biowissenschaften in der Fakultät für Biologie und die Professur für Ethik in der Medizin in der Medizinischen Fakultät, gefördert werden.

1991 - Graduiertenkolleg "Ethik in den Wissenschaften" und Professur für Ethik in den Biowissenschaften

Mit der Bewilligung des Graduiertenkollegs "Ethik in den Wissenschaften" (Sprecher: Prof. Dr. Reiner Wimmer) durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft konnte die Zahl der am IZEW bearbeiteten wissenschaftsethischen Forschungsprojekte erheblich erhöht werden. Das Graduiertenkolleg endete nach der Maximalförderzeit von 9 Jahren im September 2001.

Die Professur für Ethik in den Biowissenschaften wurde als befristete Stelle im Herbst 1991 mit Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin besetzt.

1996 - Lehrstuhl für Ethik in den Biowissenschaften besetzt

Bereits 1992 war der Tübinger Forschungsschwerpunkt durch eine Kommission des Landesforschungsbeirates des Landes Baden-Württemberg evaluiert und in seiner interfakultären Konzeption bestätigt worden. Daher wurde die Etablierung der beiden Ethik-Professuren als unbefristete Fachethiklehrstühle mit eigener Ausstattung empfohlen. Die Lehrstühle wurden in Dauerprofessuren umgewandelt. 1996 konnte die Biologische Fakultät Prof. Dr. Eve-Marie Engels für den Lehrstuhl für Ethik in den Biowissenschaften gewinnen.

1998 - Lehrstuhl für Ethik in der Medizin besetzt und Frauenförderpreis der Universität Tübingen

1998 nahm Prof. Dr. Dr. Urban Wiesing den Ruf auf den Lehrstuhl für Ethik in der Medizin an.

In einer Satzungsänderung wurde das Leitungsgremium (Sprecher und stellv. Sprecher) durch den wissenschaftlichen Rat und einen dreiköpfigen Vorstand als Leitungsstruktur ersetzt.

Im Dezember 1998 wurde das IZEW mit dem Frauenförderpreis der Universität Tübingen ausgezeichnet. Neben dem hohen Frauenanteil unter den Beschäftigten und einer familienfreundlichen Institutspolitik waren die innovativen Forschungen und Diskussionen im Arbeitskreis Feministische Ethik Anlass für die Verleihung des Preises.

2001 - Eve-Marie Engels wird neue Sprecherin

Im November 2001 stand Prof. Dr. Dietmar Mieth nach 16 erfolgreichen Jahren in der Leitungsfunktion des IZEW und seiner Vorgängerinstitutionen nicht mehr zur Wiederwahl zur Verfügung. Neue Sprecherin des IZEW wurde Prof. Dr. Eve-Marie Engels, die Inhaberin des Lehrstuhls für Ethik in den Biowissenschaften.

2004 - Neues Graduiertenkolleg „Bioethik“

Von 2004 bis 2013 beheimatete das IZEW das Graduiertenkolleg "Bioethik", das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wurde (Sprecherin: Prof. Dr. Eve-Marie Engels). Das Kolleg umfasste Projekte von insgesamt 51 Promotions- und 11 PostDoc-StipendiatInnen sowie weitere assoziierte Dissertationsprojekte. Das Graduiertenkolleg konnte an die erfolgreiche Arbeit des früheren Graduiertenkollegs "Ethik in den Wissenschaften" anknüpfen, das von 1991 bis 2000 am IZEW bestand, und wurde mit zwei Verlängerungen über die maximal mögliche Laufzeit gefördert.

2005 - Neues Vorstandsmitglied: Urban Wiesing

Nach der Emeritierung von Prof. Dr. Reiner Wimmer übernahm Prof. Dr. Dr. Urban Wiesing, Inhaber des Lehrstuhls für Ethik in der Medizin, dessen Aufgaben als Mitglied im Vorstand des IZEW.

2005 - Zwei neue Fakultäten im Trägerkreis des IZEW

Im Juni 2005 erweiterte sich der Trägerkreis des IZEW um zwei Fakultäten: Prof. Dr. Klaus-Peter Horn vertritt die Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften, Prof. Dr. Bernd Engler die Neuphilologische Fakultät im Wissenschaftlichen Rat des IZEW.

2007 - Bundesverdienstkreuz für Dietmar Mieth

Am 18. April 2007 wurde Prof. Dr. Dietmar Mieth im Kleinen Senatssaal der Universität Tübingen feierlich das Bundesverdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Aushändigung und Laudatio erfolgten durch Bundesministerin Dr. Annette Schavan. Dietmar Mieth, Mitglied des Wissenschaftlichen Rats des IZEW, wurde für seine Verdienste als Moraltheologe und international renommierter Ethiker ausgezeichnet. Er war maßgeblich an der Gründung des Ethikzentrums beteiligt und von 1990 bis 2001 dessen Sprecher.

2008 - Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät wird zehnte Trägerfakultät des IZEW

Die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät trat 2008 dem IZEW als offizielle Trägerfakultät bei. Damit wird das IZEW nun von zehn Fakultäten getragen. Als neues Mitglied im Wissenschaftlichen Rat vertritt Prof. Dr. Laszlo Goerke, Lehrstuhl für Volkswirtschaft mit Schwerpunkt Finanzwissenschaft, die Fakultät als Delegierter.

2009 - Umbenennung des IZEW in „Internationales Zentrum für Ethik in den Wissenschaften“

Im Zuge seiner zunehmend internationalen Ausrichtung und Vernetzung hat sich das IZEW umbenannt in „Internationales Zentrum für Ethik in den Wissenschaften“. Zuvor hatte es viele Jahre den Namen „Interfakultäres Zentrum für Ethik in den Wissenschaften“ getragen.

2010 - Das IZEW feiert sein zwanzigjähriges Bestehen

Im Jahre 2010 kann das IZEW auf 20 äußerst erfolgreiche Jahre zurückblicken. Zugleich feiert es die Gründung des Gesprächskreises „Ethik in den Wissenschaften“ vor 25 Jahren, der die Gründung des IZEW maßgeblich vorbereitete. Das IZEW begeht sein Jubiläum mit der internationalen Konferenz „Ethics in Practice – Knowledge, Limits, and Visions“ im Oktober des Jahres. Das Jubiläumsmagazin "20 Jahre IZEW“ gibt einen Einblick in Geschichte und Gegenwart des Ethikzentrums.

2011 - Urban Wiesing neuer Sprecher des IZEW

Im Januar 2011 stand Prof. Dr. Eve-Marie Engels nach 10 erfolgreichen Jahren als Sprecherin des IZEW nicht mehr für eine erneute Wahl zur Verfügung. Neuer Sprecher des IZEW wurde Prof. Dr. Dr. Urban Wiesing, der Inhaber des Lehrstuhls für Ethik in der Medizin und Direktor des Instituts für Ethik und Geschichte der Medizin.

Im Jahre 2011 konstituiert sich der neu eingerichtete Internationale Beirat des IZEW.

2014 - Regina Ammicht Quinn und Thomas Potthast neue Sprecher/in des IZEW

Im Dezember 2014 steht Prof. Dr. Dr. Urban Wiesing nicht mehr für die Wiederwahl als Sprecher zur Verfügung. Die Position des Sprechers / der Sprecherin übernehmen gemeinsam Prof. Dr. Regina Ammicht Quinn und Prof. Dr. Thomas Potthast.

2015 - Das IZEW feiert sein fünfundzwanzigjähriges Bestehen

Im Jahre 2015 kann das IZEW auf 25 äußerst erfolgreiche Jahre zurückblicken. Zugleich feiert es die Gründung des Gesprächskreises „Ethik in den Wissenschaften“ vor 30 Jahren, der die Gründung des IZEW maßgeblich vorbereitete. Das IZEW begeht sein Jubiläum mit einem Festakt und dem Jubiläumssammelband "Ethik in den Wissenschaften - 1 Konzept, 25 Jahre, 50 Perspektiven".